LANGENFELD. Der Tag des Busses NRW im Kreis Gütersloh hat zahlreiche Besucherinnen und Besucher angezogen. Rund 700 Businteressierte waren dem Aufruf der Busbranche gefolgt, um Busse und alles, was damit zu tun hat, zu erleben. Unter der Schirmherrschaft von NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer standen die Vielfalt der Busbranche, die Nachwuchsförderung und die Mobilität der Zukunft im Mittelpunkt. „Ohne Sie, die Unternehmen und die Menschen am Steuer, gäbe es keine Mobilität im ländlichen Raum für alle, die kein Auto haben oder haben wollen. Das muss entsprechend gewürdigt werden. Und dafür ist ein Tag wie dieser wichtig“, sagte Krischer.
Neben den vielen Angeboten für Interessierte und für Familien mit Kindern lenkte der Tag des Busses NRW den Fokus ebenfalls auf die für die Branche wichtigen politischen Themen. Als Talkgäste geladen waren der Minister, Henning Rehbaum, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, und Dr. Christine Disselkamp, stellvertretende Landrätin Kreis Gütersloh. Sie unterstrich die Rolle der mittelständischen Busunternehmen in OWL und sprach sich weniger Einschränkungen und Hürden für den Mittelstand aus.
„Die Verkehrswende braucht Menschen hinter dem Lenkrad. Und sie braucht wirtschaftlich gesunde Unternehmen.“
Eine große Herausforderung für Betriebe bleibt der Fahrpersonalmangel, eine weitere, neu hinzugekommene ist der Umgang mit der aktuellen Nahost-Krise und deren Folgen. „Bei den Busunternehmen sind die Kosten für Treibstoff explodiert. Laut ADAC war der April der teuerste Tankmonat aller Zeiten“, sagte Jürgen Weinzierl, 1. NWO-Vorsitzender. Es benötige keine Förderung mit der Gießkanne wie den Tankrabatt 2.0, sondern eine zielgenaue Unterstützung für treibstoffintensive Branchen. „2023 hat das Land NRW aus dem Sondervermögen Krisenbewältigung den öffentlichen und privaten Busunternehmen über die ÖPNV-Aufgabenträger insgesamt etwa 80 Millionen Euro als Ausgleich der Treibstoff-Mehrkosten gezahlt. Wir würden eine Neuauflage dieser Hilfe sehr begrüßen“, erklärte der 1. Vorsitzende und machte betonte: „Die Verkehrswende braucht Menschen hinter dem Lenkrad. Und sie braucht wirtschaftlich gesunde Unternehmen.“
Angesprochen auf die Reform des Busführerscheins zeigte sich der Minister sehr zuversichtlich. „Ich bin stolz darauf, dass wir vor zwei Jahren, als NRW den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz hatte, den Antrag zur Beschleunigung und Entbürokratisierung des Führerscheins eingebracht haben. Die richtigen Impulse sind nun gesetzt, und man ist auf einem guten Weg“, sagte Krischer.
Bis Ende 2026: Fahrerausbildung komplett „umgekrempelt“
Henning Rehbaum, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, wurde konkreter: „Bis Ende des Jahres werden wir die gesamte Fahrerausbildung umgekrempelt haben.“ Er plädiere gleichzeitig dafür, die Führerscheinausbildung für Busfahrpersonal mit der Berufskraftfahrerqualifikation nach dem Modell „2in1“ zusammenzuführen. Erst dadurch entstehe eine praxisgerechte Lösung. Eine Forderung, welche Landesverbände und bdo schon lange stellen.
Zur E-Mobilität und Infrastrukturförderung des Landes sagte Oliver Krischer, dass diese neu geordnet werde, da der Bund seine Förderung erfreulicherweise wieder aufgenommen habe. „Die Mittel sind trotz allem knapp.“ Man werde aber eine Lösung für die Antragsteller finden, damit sie nicht auf der Strecke blieben. Gerade der 4. Förderaufruf des Bundes hatte dem Busmittelstand in NRW einen ordentlichen Schub versetzt. 29 NWO-Mitgliedsunternehmen hatten neue Förderbescheid für Elektrobusse erhalten – und viele andere planen die Einführung von E-Bussen.
Starker Verbund in OWL
Der Tag des Busses NRW, der im Vorjahr erfolgreich seine Premiere in Wuppertal feierte, fand diesmal in enger Kooperation mit dem Bewerbertag „Heimat bewegen“ und VVOWL auf der Kartbahn in Harsewinkel statt. Private Omnibusbetriebe aus OWL und dem Rheinland, der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL), Fahrschulen, die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, Agentur für Arbeit, das Jobcenter Kreis Gütersloh sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge informierten über berufliche Perspektiven, Führerscheinerwerb und Fördermöglichkeiten. Auch gab es die Möglichkeit, sich selbst ans Bussteuer zu setzen oder den Fahrsimulator zu testen. Angebote für Kinder wie ein Bastel-Workshop rundeten das Programm ab. „Es war ein rundum gelungener Aktionstag, bei dem besonders die örtlichen Busunternehmen gezeigt haben, wie stark ihr Verbund in der Region ist und wie wichtig sie für die Mobilität in OWL sind – einfach großartig“, resümierte NWO-Geschäftsführer Christian Gladasch.
Impressionen vom Tag des Busses NRW finden Sie in unserer Bildergalerie.
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